Warum Glück kein Zufall ist

Inhalt des Beitrags

Glück ist kein Zufall - Teil 1 von 3

Glück ist nicht gleich Glück!

Es gibt zwei Bedeutungen, die im Deutschen unter einem Dach wohnen und doch grundverschieden sind.

1. Das eine ist das Glück, das einem zufällt – der Sechser im Lotto, der freie Parkplatz, der richtige Moment.

2. Das andere ist das Glück, das man wird – ein Leben, das sich rund anfühlt, getragen, sinnvoll.

Andere Sprachen trennen das sauber: luck und happiness.
Wir werfen beides in einen Topf und wundern uns dann, warum uns das Glück mal hold ist und mal nicht.

Dieser Artikel handelt vom zweiten Glück.
Von dem, das kein Würfelwurf ist, sondern ein Ergebnis. Und die spannendste Nachricht kommt nicht von Lebensberatern oder Kalendersprüchen, sondern aus den Laboren der Psychologie:
Ein erheblicher Teil dessen, was wir Glück nennen, hängt nicht an den Umständen, sondern an dem, was wir denken, tun und glauben. In 3 Blogbeiträgen gehen wir dieser Idee nach – heute durch die Brille der modernen Wissenschaft, danach durch die der Philosophie und schließlich durch die der spirituellen Traditionen.

Fangen wir mit dem an, was sich messen lässt.

Deine Bewertung ist entscheidend!

Stell dir zwei Menschen im selben Stau vor.
Der eine kocht innerlich, der Tag ist gelaufen, alles ist gegen ihn.
Der andere stellt ein Hörbuch an und genießt zwanzig unerwartet ruhige Minuten.
Gleiche Situation, zwei völlig verschiedene Erlebnisse.

Was sie unterscheidet, ist nicht der Verkehr, sondern die Bewertung.

Genau das ist der Kern eines der bestbelegten Modelle der klinischen Psychologie: das ABC-Modell von Albert Ellis und Aaron Beck, dem Fundament der kognitiven Verhaltenstherapie.

A steht für das auslösende Ereignis,
B für die Bewertung, also die Gedanken, die du dir dazu machst,
und C für die emotionale Konsequenz.

Die zentrale Einsicht: Es gibt keine direkte Linie von A nach C.
Nicht das Ereignis erzeugt dein Gefühl, sondern deine Deutung dazwischen.
„Nicht ein Ereignis an sich führt zu bestimmten emotionalen Reaktionen, sondern die Art und Weise, wie du dieses Ereignis bewertest.“

Das ist keine Wohlfühlweisheit, sondern die theoretische Grundlage einer Therapieform, die millionenfach wirkt.
Und es ist die wissenschaftliche Übersetzung einer sehr alten Idee – aber dazu kommen wir im zweiten Teil.

Was heißt das für dich?

Du musst nichts schönreden. Aber du kannst beginnen, den kleinen Moment zwischen Ereignis und Reaktion bewusster wahrzunehmen. Genau dort entsteht oft der Unterschied zwischen innerem Stress und innerer Ruhe.

Wenn du merkst: „Diese Situation macht mich gerade fertig“, kannst du dich fragen:
Ist wirklich nur die Situation das Problem oder auch die Bedeutung, die ich ihr gebe?

Diese Frage allein kann schon vieles verändern. Sie bringt dich vom automatischen Reagieren zurück in mehr innere Wahlfreiheit.

Wo dein Einfluss beginnt

Viktor Frankl, Wiener Psychiater und Begründer der Logotherapie, überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz. In der Hölle, in der den Menschen buchstäblich alles genommen wurde, machte er eine Beobachtung, die sein gesamtes Werk prägen sollte: Eine Sache blieb selbst dort unantastbar.

Frankl nannte sie „die letzte menschliche Freiheit, sich zu den gegebenen Verhältnissen so oder so einzustellen“.
Wer diese innere Haltung bewahrte, fand selbst im Lager noch Sinn – und wer sie verlor, gab oft auch körperlich auf.

Frankl prägte dafür den Begriff der „Trotzmacht des Geistes”: die Fähigkeit des Menschen, sich gegen alle Bedingtheiten zu erheben und eine Haltung zu wählen.

Frankl unterschied drei Wege, Sinn zu finden:
– durch das, was wir in die Welt einbringen (schöpferische Werte),
– durch das, was wir empfangen – Liebe, Schönheit, Begegnung (Erlebniswerte),
– und durch die Haltung, die wir zu unvermeidbarem Leid einnehmen (Einstellungswerte).

Der dritte Weg ist immer offen. Auch wenn die Umstände jede Handlung und jeden Genuss verbieten, bleibt die Wahl der Haltung. Es ist schwer, sich ein stärkeres Argument dafür vorzustellen, dass Glück und Sinn nicht von außen diktiert werden.

Was heißt das für dich?

Dieser Gedanke ist nicht dazu da, Leid kleinzureden. Schwere Erfahrungen bleiben schwer. Schmerz bleibt Schmerz. Und niemand sollte sich einreden müssen, dass alles „gut“ ist.

Aber selbst in schwierigen Momenten gibt es oft einen inneren Spielraum:
Wie begegnest du dem, was gerade ist?
Lässt du dich vollständig davon bestimmen oder findest du einen Punkt in dir, der trotzdem aufrecht bleibt?

Genau dieser innere Punkt ist kostbar. Dort beginnt nicht immer sofort Glück, aber dort beginnt Würde, Kraft und manchmal auch ein neuer Sinn.

Sitzt du am Steuer deines Lebens – oder nur auf dem Beifahrersitz?

Die Persönlichkeitspsychologie kennt einen Begriff dafür, ob wir uns als Gestalter oder als Spielball erleben: den „Locus of Control”, entwickelt 1966 von Julian Rotter.

Menschen mit interner Kontrollüberzeugung glauben, dass ihre eigenen Entscheidungen und Handlungen die Ergebnisse ihres Lebens beeinflussen.

Menschen mit externer Kontrollüberzeugung führen das, was ihnen widerfährt, eher auf Zufall, Schicksal oder andere zurück.

Die Forschung zeichnet ein klares Bild:
Wer eine interne Kontrollüberzeugung hat, zeigt konsistent höheres subjektives Wohlbefinden, bessere psychische Gesundheit und mehr gesundheitsförderndes Verhalten. Anders gesagt: Der Glaube, selbst am Steuer zu sitzen, macht messbar zufriedener.

Das ist exakt die Trennlinie zwischen „Pech gehabt” und „ich gestalte” – und sie verläuft nicht durch die Umstände, sondern durch den Kopf.

Was heißt das für dich?

Es geht nicht darum, alles kontrollieren zu müssen. Das wäre nur eine neue Form von Druck. Es geht darum, wieder zu spüren: Ich bin nicht völlig ausgeliefert.

Vielleicht kannst du nicht bestimmen, was andere tun. Vielleicht kannst du auch nicht jede äußere Situation sofort verändern. Aber du kannst oft den nächsten kleinen Schritt wählen: ein Gespräch, eine Entscheidung, eine Grenze, eine neue Gewohnheit, eine andere Sichtweise.

Glück entsteht nicht dadurch, dass du plötzlich alles im Griff hast. Es entsteht oft dadurch, dass du wieder merkst:
Ich habe mehr Einfluss, als ich bisher geglaubt habe.

Optimismus ist trainierbar

Martin Seligman, einer der Begründer der Positiven Psychologie, sagt: “Wer wiederholt erlebt, keine Kontrolle über schlechte Ereignisse zu haben, hört irgendwann auf, sich überhaupt zu wehren.” Aber es gibt eine Erkenntnis daraus.
Wenn Hilflosigkeit erlernbar ist, dann auch ihr Gegenteil: der „erlernte Optimismus”.

Der Unterschied liegt im Erklärungsstil.
Pessimisten neigen dazu, schlechte Ereignisse als dauerhaft, allumfassend und selbstverschuldet zu deuten.
Optimisten sehen denselben Rückschlag als vorübergehend, begrenzt und veränderbar.
Diese Deutungsmuster sind keine festen Charakterzüge, sondern Gewohnheiten, die man trainieren kann.

Aus dieser Arbeit erwuchs Seligmans PERMA-Modell, das fünf Bausteine des Wohlbefindens beschreibt:
Positive Emotionen, Engagement, Beziehungen (Relationships), Sinn (Meaning) und Zielerreichung (Accomplishment).

Entscheidend ist:
Alle fünf sind aktiv gestaltbar. Man kann Aufmerksamkeit lenken, Beziehungen pflegen, sich Ziele setzen, Stärken einsetzen. Wohlbefinden ist in diesem Modell kein Geschenk, sondern eine Praxis.

Was heißt das für dich?

Optimismus bedeutet nicht, naiv zu sein. Es bedeutet nicht, Probleme zu übersehen oder sich alles schönzureden. Optimismus heißt: Du trainierst deinen Blick dafür, dass eine Situation nicht automatisch endgültig, hoffnungslos oder gegen dich gerichtet ist.

Ein Rückschlag muss nicht bedeuten: „Bei mir klappt nie etwas.“
Er kann auch bedeuten: „Das war ein schwieriger Moment, aber nicht das Ende meiner Möglichkeiten.“

Je öfter du solche neuen Deutungen übst, desto vertrauter werden sie deinem Inneren. Und genau dadurch kann sich dein Grundgefühl zum Leben langsam verändern.

Kennst du den Flow?

Eine der schönsten Glückserfahrungen ist der Flow.
Flow ist jener Zustand vollständigen Aufgehens in einer Tätigkeit, in dem die Zeit verschwindet und das Tun sich mühelos anfühlt – beim Schreiben, Klettern, Musizieren, Programmieren.

Das Bemerkenswerte:
Flow ist kein Glücksfall, der einen überkommt. Er entsteht unter klar herstellbaren Bedingungen – wenn die Herausforderung zu den eigenen Fähigkeiten passt, wenn die Ziele klar sind und das Feedback unmittelbar. Man kann diese Bedingungen aktiv schaffen.

Flow ist damit das Musterbeispiel für Glück als Tun statt als Zustand: Man erschafft das Erleben durch die eigene Wahl und Hingabe.

Was heißt das für dich?

Vielleicht kennst du solche Momente selbst: Du bist ganz bei einer Sache, denkst nicht ständig nach, vergleichst dich nicht, zweifelst nicht, sondern bist einfach im Tun.

Das zeigt etwas Wichtiges: Glück entsteht nicht nur durch große Lebensereignisse. Es entsteht auch in Momenten, in denen du dich verbunden, wirksam und lebendig fühlst.

Deshalb lohnt es sich, bewusst nach Tätigkeiten zu suchen, bei denen du ganz eintauchen kannst. Nicht, weil sie „produktiv“ sind, sondern weil sie dich wieder mit dir selbst verbinden.

Was sehr wichtig ist!

Glück ist zu einem erheblichen Teil etwas, das wir tun, nicht etwas, das uns widerfährt.

Unsere Bewertungen formen unsere Gefühle.
Der Glaube an die eigene Wirksamkeit macht zufriedener.
Optimismus lässt sich lernen, Flow lässt sich herstellen, Sinn lässt sich auch im Leid finden.

Und doch wäre es ein Fehler, in das andere Extrem zu kippen.
Umstände zählen. Armut, Krankheit und Trauma sind reale Lasten, die sich nicht wegdenken lassen, und der ständige Zwang, positiv sein zu müssen, kippt schnell in „toxische Positivität”, die mehr schadet als nützt.

Die ehrliche Botschaft ist deshalb nicht „du bist allein für dein Glück verantwortlich”, sondern etwas Befreienderes: Du hast mehr Einfluss, als du glaubst – und dieser Einfluss beginnt zwischen Ereignis und Reaktion, genau dort, wo deine Haltung wohnt.

Was heißt das für dich?

Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft dieses Artikels: Du musst dich nicht unter Druck setzen, immer glücklich zu sein. Glück ist kein Pflichtprogramm und keine neue Aufgabe, an der du scheitern kannst.

Aber du darfst erkennen, dass dein Inneres formbarer ist, als es sich manchmal anfühlt. Deine Bewertungen, Erwartungen und inneren Gewohnheiten sind nicht für immer festgelegt.

Und genau deshalb ist Glück nicht nur etwas, das dir zufällt. Es ist etwas, das in dir wachsen kann — Schritt für Schritt, sanft und ohne Zwang.

Der nächste Schritt: Glück innerlich trainieren

Wenn du bis hierher gelesen hast, hast du gesehen:
Glück ist kein blinder Zufall.
Es entsteht auch durch Bewertung, Haltung, Erwartung, Gewohnheit und Aufmerksamkeit. Genau deshalb reicht es oft nicht, Glück nur zu verstehen. Entscheidend ist, es regelmäßig innerlich einzuüben.

Vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: Glück beginnt nicht erst dann, wenn sich im Außen alles verändert. Es beginnt dort, wo du lernst, anders zu bewerten, anders zu erwarten und dich innerlich wieder für gute Möglichkeiten zu öffnen.

Genau dafür habe ich das Audioprogramm „Das Glückskind erwecken“ entwickelt.

Es unterstützt dich dabei, dich Schritt für Schritt aus Zweifel, Schwere und Pechvogel-Denken zu lösen – und dein Inneres wieder auf Zuversicht, Offenheit und Glück auszurichten.

Wenn du spüren möchtest, wie es sich anfühlt, dem Leben wieder mehr Glück zuzutrauen, dann höre dir das Glückskind-Audioprogramm an.

Bild von Andreas Bernknecht
:andreas :bernknecht

:andreas ist Coach für Persönlichkeitsentwicklung, Spiritualität, Experte für Binaurale Beats, Bewusstseinsforscher und Gründer von DM-Harmonics.


  • Sprecher auf über 300 Kongressen
  • Über 2 Millionen Teilnehmer und Zuschauer
  • 85 Fernseh-Interviews
  • Über 9.500 Bewertungen, davon 8.383 5-Sterne-Bewertungen
  • Zwei Bücher publiziert

Andreas hat es sich zum Ziel gemacht, so vielen Menschen wie möglich ein besseres, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

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